„Edelstahl rostfrei“ ist ein Sammelbegriff. Dahinter stehen Sorten, die sich beim Schweißen, Drehen und im Kontakt mit Salz deutlich unterscheiden. Dieser Überblick ergänzt unseren Beitrag „V2A oder V4A“ um die Sorten, die Sie bei uns als Halbzeug finden.

Problem

Das Problem: „Edelstahl“ reicht als Angabe nicht

Eine Bestellung über „Edelstahl-Rundstange 20 mm“ lässt offen, ob das Teil später geschweißt, gedreht oder im Außenbereich mit Streusalz eingesetzt wird. Genau dafür gibt es unterschiedliche Sorten. Die falsche Wahl zeigt sich erst später: als Rost an der Schweißnaht, als stumpfes Werkzeug oder als Lochfraß.

Ursache

Die Ursache: Chrom, Nickel, Molybdän, Schwefel

Nichtrostende Stähle enthalten nach DIN EN 10088 mindestens 10,5 % Chrom. Das Chrom bildet an der Oberfläche eine dünne Passivschicht, die den Stahl schützt. Nickel macht den Werkstoff austenitisch, also gut umformbar und praktisch unmagnetisch.

Die Zusätze entscheiden über die Stärken: Molybdän (1.4571) schützt gegen Chloride. Schwefel (1.4305) macht den Span kurz, verschlechtert aber Schweißeignung und Beständigkeit. Wenig Kohlenstoff (1.4307) verhindert Kornzerfall nach dem Schweißen.

SorteBekannt alsStärkeSchwächeBei uns als Halbzeug
1.4301 (X5CrNi18-10)V2A, AISI 304Standard: schweißbar, polierbar, lebensmittelgeeignetnicht für ChlorideRund-, Flach-, Vierkantstange, Rohre, Winkel, Gewindestab
1.4305 (X8CrNiS18-9)AISI 303hervorragend zerspanbarnicht schweißbar, etwas weniger beständigRund- und Sechskantstange
1.4307 (X2CrNi18-9)304Lkohlenstoffarm, Schweißnaht ohne Nachbehandlung beständignicht für Chloridegeschliffene Konstruktionsrohre
1.4571 (X6CrNiMoTi17-12-2)V4A, AISI 316Tibeständig gegen Chloride, Streusalz, Seeluftteurer als 1.4301Rundstange

Normwerte nach DIN EN 10088; Zugfestigkeit aller vier Sorten rund 500 bis 700 N/mm² (1.4305 bis 750 N/mm²). Verbindlich ist das Zeugnis der Lieferung.

Lösung

Die Lösung: nach dem nächsten Arbeitsschritt wählen

Fragen Sie zuerst, was mit dem Teil als Nächstes passiert. Wird es gedreht und nicht geschweißt, ist 1.4305 die wirtschaftliche Wahl. Wird es geschweißt und poliert, nehmen Sie 1.4301 oder bei geschweißten Rohrkonstruktionen 1.4307. Kommt es mit Salz in Kontakt, führt kein Weg an 1.4571 vorbei.

1.4404 (X2CrNiMo17-12-2) gehört wie 1.4571 zu den molybdänlegierten V4A-Sorten. Die Unterschiede zwischen V2A und V4A und die Auswahl nach Umgebung beschreibt unser Beitrag „V2A oder V4A“.

  • Werkzeuge und Bürsten verwenden, die nie Kontakt mit Baustahl hatten – sonst entsteht Fremdrost.
  • Langsam sägen und kräftig kühlen: Edelstahl leitet Wärme schlecht und verfestigt beim Zerspanen.
  • Anlauffarben nach dem Schweißen beizen oder bürsten, sonst geht dort die Beständigkeit verloren.

Merke: Bestellen Sie mit Werkstoffnummer, nicht nur mit „Edelstahl“.

Auf einen Blick

  • Nächsten Arbeitsschritt nennen: schweißen, drehen, polieren
  • Umgebung beschreiben: innen, außen, Streusalz, Schwimmbad, Küste
  • Werkstoffnummer in der Bestellung angeben
  • Bei Bedarf Abnahmeprüfzeugnis 3.1 vorab anfragen
Zu den Edelstahl-Halbzeugen →

Häufige Fragen

Warum rostet Edelstahl manchmal doch?

Häufig ist es Fremdrost von Baustahlpartikeln aus Werkzeugen oder Bürsten. Bei 1.4301 kann außerdem Chlorid (Streusalz, Schwimmbad, Seeluft) Lochfraß auslösen; dort ist 1.4571 die richtige Wahl.

Kann ich 1.4305 schweißen?

Nein, 1.4305 ist nicht zum Schweißen geeignet. Für geschweißte Teile wählen Sie 1.4301 oder 1.4307.

Ist Edelstahl magnetisch?

Die austenitischen Sorten 1.4301, 1.4305, 1.4307 und 1.4571 sind praktisch unmagnetisch. Durch Kaltumformung können sie leicht magnetisch werden.